Nachlese zur UFO-Tagung bei Fulda 2017

von Jochen Ickinger

Am 24.06.2017 fand in der Nähe von Fulda die erste gemeinsame Tagung der drei in der "Deutschen Kooperationsinitiative UFO-Forschung" vertretenen Gruppen DEGUFO, GEP und MUFON-CES statt. Nach der UFO-Tagung 2009 in Schmerlenbach, wo ebenso deutsche UFO-Gruppen sowie die Gesellschaft für Anomalistik gleichermaßen beteiligt waren, ist dies die zweite vergleichbare Tagung. Als GEP-Mitglied wollte ich nicht nur die persönlichen Kontakt-Möglichkeiten nutzen sondern war insbesondere am Vortrag zum Greifswalder UFO-Fall interessiert, der, im Gegensatz zu unseren eigenen Recherchen, den Fall noch als offen bzw. ungeklärt darstellen sollte.
Das Datum wurde bewusst gewählt, in Anlehnung an das 70jährige Jubiläum der Sichtung von Kenneth Arnold am 24.06.1947, die als Geburtsstunde des modernen UFO-Phänomens sowie der "fliegenden Untertassen" gilt.

Vorgesehen waren sechs Vorträge; je einer seitens der beteiligten Gruppen und drei Vorträge von externen Referenten. Hierzu waren ursprünglich Referenten aus dem Ausland vorgesehen. Hintergrund war die abschließende Podiumsdiskussion zum Thema "Europäische UFO-Forschung". Zugesagt hatten letztlich Forscher aus Polen und Frankreich. Aus Frankreich sollten Vertreter der im Elsass angesiedelten Gruppe SPICA teilnehmen, die hierzulande vor allem von den Cröffelbacher UFO-Tagungen in den 2000er Jahren bekannt sind. Leider mussten diese ihre Teilnahme im Vorfeld absagen, so dass die offenen Vortragsblöcke anderweitig gefüllt wurden.

Den Beginn machte Jörg Kiefer von der MUFON-CES, der zum Thema der (radartechnischen) Luftraumüberwachung referierte und sehr ausführlich die Struktur der Radarüberwachung in Deutschland mit den jeweiligen Zuständigkeiten darstellte, sowie ebenso, was im Einzelnen getrackt bzw. worauf geachtet und was aussortiert wird und mögliche Fehlerquellen. Kiefer zeigte einige freie Recherchequellen zum Flugverkehr, wie bspw. das bekannte Flightradar24 und auch die Bezugsmöglichkeiten von Radaraufzeichnungen über Anfragen bei offiziellen Stellen. Abschließend zeigte er einige Radaraufzeichnungen mit aus seiner Sicht ungeklärten Objekten, wobei er darauf hinwies, dass im Fokus solche mit begleitenden visuellen Beobachtungen stehen, um reine Radarfehler weitgehend auszuschließen.
Unter den Beispielen war auch der Vorfall beim Stuttgarter Flughafen aus dem Jahr 2009, der damals auch Schlagzeilen in der Presse machte. Dazu zeigte Kiefer eine Radaraufzeichnung, die die Flugspur des vermeintlichen Objekts zeigt und, mit einer Unterbrechung, von Freiburg in gerader Linie bis Prag reicht.
Damals hatten auch Untersucher des CENAP zu dem Fall recherchiert, wobei als mögliche Erklärung eine der Drohnenüberführungen der USAF nach Polen in den Raum gestellt wurde, was sich zumindest mit der aufgezeichneten Radarspur (Richtung Polen) decken würde.
Insgesamt gesehen fand ich den Vortrag sehr informativ mit einigen mir bislang unbekannten Aspekten zur Radarüberwachung. Auch den Ansatz, darüber zusätzliche, objektivierbare Indizien zu UFO-Beobachtungen zu bekommen, halte für durchaus berechtigt. Die Zusammenführung von derartigen Aufzeichnungen mit visuellen Beobachtungen bzw. zu deren Begründung ist allerdings auch interpretativ, da korrelierende Indizien nicht zwangsläufig auch kausal zusammen hängen müssen. Insofern entbindet auch das nicht einer kritischen Prüfung.

Den zweiten Vortrag hielt Rafal Nowicki von der polnischen "Nautilus Foundation" zu einem Fotofall aus 2005, nahe Zdany. Die Fotos zeigen ein scharf abgebildetes Objekt, das nahe einer Straße über einem Feld schwebt bzw. sich nach oben bewegt. Davor habe es zwei Fahrzeuge auf der Straße durch Ausfall der elektrischen Systeme zum Stehen gebracht. Nowicki setzte den Schwerpunkt auf die Frage einer Fotomanipulation, von der ich selber hier gar nicht ausgehen würde, und versuchte ausführlich die "Echtheit" zu begründen. Unterstützend zur Glaubwürdigkeit der Zeugen brachte er einige Aspekte, die nicht nur mir allerdings etwas seltsam erschienen. So war bspw. einer der Zeugen war kurz davor in einen Unfall mit Fahrerflucht mit dem auf einigen Fotos zu sehenden Pkw verwickelt, so dass er sich wohl nicht kurz danach hätte ablichten lassen und er hätte für die Temperatur eine zu leichte Jacke getragen, um darin dann ggf. längere Zeit dort im Freien zu verbringen und einen Fake zu inszenieren. Letztlich wurde aber die Frage eines Fakes mittels eines Modells nicht thematisiert, dafür wurden Tests zur Größenermittlung mit ähnlichen Modellen (!) durchgeführt, die zu einer mutmaßlichen Größe von um die 2 Meter führten (plus/minus).
Für mich sieht das eher nach Aluschüsseln oder einer Bastelarbeit mit einem Heliumballon oder dgl. aus, garniert mit dem alten Klischee der EM-Emmissionen außerirdischer Technik, die Autoelektrik lahmlegt. Warum die unterstellten, hochentwickelten Aliens keine wirksame EM-Abschirmung haben, fragt sich dabei niemand. Wie so oft, hat auch hier niemand sonst, außer den beteiligten Zeugen, das Ding gesehen. Also eine reine Glaubensfrage. Der Fotofall kann auf der Webseite der Nautilus Foundation eingesehen werden.

Dritter Referent war André Kramer von der GEP, zum Thema der psychosozialen Folgen so genannter UFO-Entführungserlebnisse. Hintergrund ist sowohl seine berufliche Tätigkeit in der Sozialpsychiatrie, als auch seine derzeit in Arbeit befindliche Diplomarbeit zu diesem Thema. Er stellte dazu seine Vorgehensweise und Forschungsfragen vor und beschrieb auch die in Frage kommenden psychologischen Ursachen, die derartige Erlebnisse auslösen können. Kramer betonte aber, dass es nicht darum ging den Erlebnissen eine Erklärung zuzuordnen, sondern um die Erlebnisse und deren Auswirkungen auf die Betroffenen, deren Verhalten und insbesondere auch deren soziales Umfeld. Die tatsächliche Ursache für die Erlebnisse spielt dabei eine untergeordnete Rolle und er bot den Betroffenen auch keine Erklärung an. Klammert man bewusst erfundene Geschichten aus, dann dürften sich alle einige sein, dass es sich um subjektiv wahre Erlebnisse handelt, die postraumatische Folgen haben können und man die Betroffenen grundsätzlich an geeignete, psychologisch geschulte Anlaufstellen verweisen sollte. Eine denkbare Anlaufstelle könnte das IGPP in Freiburg sein.

Als vierter Referent behandelte Bernd Dohmen (Pseud.) das bekannte Hessdalen-Phänomen. Dohmen ist auch Betreiber der Webseite "Hessdalen Germany". Er gilt als Spezialist für astronomische Zeitrafferaufnahmen. Ebenso befasst er sich mit Spektralfotografie. Er bot eine gute allgemeine Übersicht zum Phänomen und der örtlichen Verhältnisse. Er thematisierte nicht nur die verschiedenen aktuellen theoretischen Ansätze zur Ursache des Phänomens, sondern auch die mannigfaltigen herkömmlichen Ursachen und Täuschungsmöglichkeiten. Aus eigenen Reisen vor Ort stellte er einige Beispiele für Fehlinterpretationen vor. Interessant dabei, dass manche Auflösung nur möglich war, weil ein Kollege mit einem Teleobjektiv parallel fotografierte und erst so die wahre Ursache erkennbar war, wie einmal nächtliche Fischer auf einem zugefrorenen See oder eine Hütte an einer Stelle, an der keine erwartet wurde. Ebenso gab er Beispiele, die seiner Meinung nach "echte" Hessdalen-Lichter zeigten. Dohmen favorisierte dazu keine bestimmte Theorie, bekannt ist aber, dass er grundsätzlich mit der ETH sympathisiert; er ist auch Autor des Buches "Außerirdische - Das große Tabu unseres Zeitalters". Nichtdestotrotz ein gelungener und informativer Vortrag.
Unter kritischen Untersuchern gibt es unterschiedliche Ansichten dazu. Ich selber sehe hier derzeit durchaus einen Ansatz eines anomalen atmosphärischen Phänomens, jenseits von Alien-Spekulationen, für das es auch verschiedene Theorieansätze gibt.

Der fünfte Vortrag war der von mir mit Spannung erwartete Vortrag von Marius Kettmann von der DEGUFO zu den Greifswaldlichtern von 1990, vorgestellt als "Deutschlands bekanntester UAP-Fall". Der Fall beschäftigt seitdem die deutsche UFO-Forschung und wird hitzig und leider nicht immer sachlich diskutiert. Zuletzt erschien dazu 2012 ein umfassender, von Dennis Kirstein zusammengestellter, Abschlussbericht auf ufo-information.de, der die Militärmanöver-Theorie begründet. Zum Einstieg bezog sich Kettmann dann ausdrücklich auf MUFON-CES, CENAP und ufo-information.de als Materialquellen für seinen Vortrag, wo es jeweils umfassende Untersuchungen dazu gab. In seiner Darstellung des Vorfalls fand sich dann auch das uns bekannte Material. Er thematisierte auch die Theorie eines Militärmanövers seitens der tschechischen Luftwaffe, warf dazu aber einige Fragen auf, insbesondere die mangelnde Bestätigung und Kenntnis eines solchen Manövers. Ebenso bezweifelte er den Einsatz der Leuchtbomben als Luftziele, da diese mehr als Gefechtsfeldbeleuchtung verwendet worden seien. Ein wichtiger Einwand von ihm war auch die Brenndauer, die, allerdings nur nach wenigen (einer?) Zeugenaussagen, deutlich länger als die meist verwendeten 7 Minuten gewesen sei. Ein angeblich dazu existierens Video ist aktuell nicht belegt. Wir haben das auch in unserem Bericht thematisiert und ich hatte auch in der Diskussion darauf hingewiesen, dass es auch Leuchtbomben mit deutlich längerer Brenndauer gibt, ebenso dass es erst 2012 ein russisches Militärmanöver bei St. Petersburg gab, bei dem diese Leuchtbomben verwendet wurden und sich dasselbe Erscheinungsbild zeigte. Kettmann wies in der Diskussion darauf hin, dass er sich selber noch nicht festlegen und auch nicht unbedingt von Außerirdischen ausgehen wolle. Er wollte auch die von Kritikern favorisierte Theorie nicht gänzlich ausschließen, meinte aber, dass man dazu noch weitere Nachforschungen anstellen müsse und seine Recherchen noch nicht abgeschlossen seien. Kettmann plant dazu keinen Bericht in herkömmlicher Form, sondern möchte ein Buch zu diesem Vorfall herausbringen.
Wir werden zu diesem Thema und dem Vortrag noch gesondert auf ui.de eingehen.
Insgesamt möchte ich aber feststellen, dass der Vortrag sachlich gehalten war und auch die von uns zusammengetragenen Fakten und Unterlagen dem Grunde nach nicht bestritten oder angegriffen wurden. Lediglich in der Interpretation und Schlussfolgerung gibt es Differenzen. Eine Fortführung der Diskussion auf dieser sachlichen Ebene wäre wünschenswert.

Als sechster und letzter Vortrag war ein Beitrag von Andreas Anton vom IGPP in Freiburg zur Frage "Sind UFOs ein Thema für die Wissenschaft?" geplant. leider musste der Referent aufgrund einer Erkrankung kurzfristig absagen. Ich fand das sehr schade, da ich sehr auf diesen Vortrag gespannt war. Die freie Zeit wurde einerseits für die vorhergehenden Diskussionen genutzt, andererseits wurden zwei kurze Präsentationen eingeschoben. Zum Einen zu einem Fotofall der an alle drei Organisationen eingereicht wurde, eine Lichtkugel vor einem Passagierflugzeug zeigt und derzeit noch ungeklärt ist. Ergänzend gibt es eine Radaraufzeichnung, die das Objekt vor dem Flugzeug zeigen soll. Bleibt abzuwarten, was die weiteren Recherchen bringen.
Als zweites gab es eine kurze Vorführung kameratechnischer Ausrüstung, sowie ein Beispiel für den Einsatz eines Raspberry Pi mit einer kleinen Kamera. Wie auch schon beim Thema der Luftraumüberwachung angemerkt, gilt letztlich für die gesamte instrumentelle Unterstützung in diesem Bereich, dass diese zusätzliche Indizien liefern kann, nicht mehr und nicht weniger, die aber auch weitere Fehlerquellen beinhalten können. Aus meiner Sicht sollten hierbei auch Kooperationen mit bestehenden externen Netzwerken angestrebt werden. So gibt es bspw. das Feuerkugelnetzwerk, das auch kameragestützte Himmlsüberwachung betreibt, sowie europaweite Netze von Messtationen zur Gravitations- und Magnetfeldmessung, mit denen sich eigene Messungen abgleichen und verifizieren ließen. Eine kritische Rezeption zur instrumentellen Forschung findet sich auf ui.de.
Robert Fleischer von Exopolitik, der auf der Tagung mehrfach Filmaufnahmen machte, nutzte die Gelegenheit, um einen Videoblog für die drei Gruppen anzubieten, der auf dem Youtubekanal von Exopolitik ausgetrahlt werden sollte. Hierzu sollten etwa alle zwei Wochen Beiträge die Arbeit und aktuelle Aktivitäten der Gruppen vorstellen, um so neue Interessenten und Mitglieder zu gewinnen. Hintergrund ist für Fleischer die Tatsache, dass bspw. italienische UFO-Gruppen bis zu 1000 Mitglieder hätten und in Deutschland alle drei zusammen gerade mal zwischen 200 und 300, was für ihn völlig unverständlich sei. Hierzu sei angemerkt, dass solche Vergleiche zwischen den Ländern problematisch sind und man das nicht einfach übertragen kann. Ebenso dürfte die Klientel, die Exopolitik für ihre eigenen Produktionen erreicht, mehrheitlich eine andere sein, als sie für die Arbeit der UFO-Gruppen in Frage kommt. Auch muss sich jede Gruppe fragen, ob das die eigentliche Zielgruppe für die eigene Arbeit ist. Ich würde damit keine allzu hohen Erwartungen verbinden.

Zum Tagungsabschluss gab es die angekündigte Podiumsdiskussion zum Thema "UFO-Forschung in Europa". Im Mittelpunkt die Möglichkeiten bzw. eher die Schwierigkeiten eines verbesserten Austausches und Kontaktes der Gruppen untereinander. Festgestellt wurde, dass es nur sehr spärliche Kontakte zu Gruppen außerhalb Deutschlands gibt. Einzigstes Medium mit einem länderübergreifenden Austausch ist derzeit die EuroUFO-Mailingliste. Das Haupthindernis dürfte sicherlich die Sprachbarriere sein, da sich die jeweiligen Gruppen überwiegend auf ihre Landessprache beschränken.

Mit 30 bis 40 Teilnehmern war die Tagung recht gut besucht. Weitere Tagungen in diesem Format, unter dem Dach der "Deutschen Kooperationsinitiative UFO-Forschung", sollen folgen. Ich für mich kann feststellen, dass es insgesamt sachlich zuging und informativ war, auch wenn ich mich nicht allen Aussagen anschließen kann. Aber wie ein Kollege treffend feststellte, ist sowas immer auch ein "Social Event", mit der Möglichkeit des persönlichen Austausches, was man nicht unterbewerten sollte. Eine weitere Einbeziehung kritischer Beiträge in zukünftigen Tagungen würde die Ausgewogenheit verstärken.

Noch eine abschließende Anmerkung: Von den Veranstaltern wurde die "neue Kooperation" der drei Gruppen hervorgehoben und die gemeinsamen Projekte, nachdem zuvor Grabenkämpfe und Streitereien vorgeherrscht hätten, die die gesamte Forschung behinderten. Das erweckte den Eindruck, dass es die ganzen vergangenen Jahrzehnte nur Auseinandersetzungen und keine Zusammenarbeit und keinen Fortschritt gegeben hätte. Dem möchte ich an dieser Stelle widersprechen. Es gab tatsächlich vor einigen Jahren die bekannten Auseinandersetzungen, diese stehen aber nicht stellvertretend für die gesamten 40 Jahre, seit es die private Forschung in dieser Form und den damals neu gegründeten Gruppen CENAP, GEP und MUFON-CES gab.
Es gab damals von Beginn an eine sehr gute Kooperation und Zusammenarbeit, vor allem zwischen CENAP und GEP und bis in die 1990er Jahre regelmäßige gemeinsame Tagungen und Workshops, an denen oftmals auch weitere Gruppen beteiligt waren, was auch mit den Cröffelbacher Tagungen in den 2000er Jahren fortgesetzt wurde. Ebenso gab es Kontakte zwischen GEP und MUFON-CES. Auch hat man sich intensiv in der Falluntersuchung ausgetauscht, inkl. eines Rundversands von Fallakten zur gegenseitigen Beurteilung. Auch gab es Ansätze hinsichtlich der Datenverarbeitung und Fallklassifizierung sowie u.a. ein von der GEP geleitetes Projekt zur Zeugenwahrnehmung, an dem sich viele verschiedene Forscher beteiligt hatten.
Natürlich gab und gibt es auch manche kritische Auseinandersetzung, aber auch das gehört in der wissenschaftlichen Forschung dazu. Ich möchte dazu zum Schluss den Soziologen Dr. Edgar Wunder zitieren, der auf der letztjährigen Tagung der GfA festgestellt hat, dass "Wissenschaft Kritik und Kritiker braucht" und insbesondere den "direkten kritischen Dialog untereinander".

Linksammlung:
Deutsche Kooperationsinitiative UFO-Forschung
Nautilus Foundation (Fotofall Zdany)
Hessdalen Germany
Fall Kenneth Arnold auf ui.de
Fall Greifswald auf ui.de
Kritik zur instrumentellen UFO-Forschung auf ui.de

 

Neue Lichterscheinung entdeckt

Kürzlich wurde über eine neu entdeckte Lichterscheinung am Nachthimmel berichtet. Es handelt sich dabei um eine lila Lichterscheinung, die bislang für ein Polarlicht gehalten wurde, aber tatsächlich etwas ganz anderes und neuartiges ist.

Dokumentiert wurde die Leuchterscheinung von der Facebook-Gruppe "Alberta Aurora Chasers", die regelmäßig Polarlichter am Nachthimmel fotografiert. Darunter befand sich dann auch diese neuartige Lichterscheinung, die zuerst gar nicht als solche erkannt, sondern als "Proton Aurora" bezeichnet wurde. Der Physiker Eric Donovan, Physikprofessor an der Universität Calgary, wurde darauf aufmerksam, da eine solche Proton Aurora im UV-Bereich strahlt, also für unser Auge unsichtbar ist. Donovans Nachforschungen dazu ergabem, dass diese bereits regelmäßig beobachtete Erscheinung aufgrund der ungewöhnlichen spektralen Zusammensetzung, die bei Polarlichtern so nicht vorkommt, ein bislang unbekanntes physikalisches Phänomen darstellt.

Seitdem arbeiten international verschiedene Forscher der NASA und von Universitäten daran, das Rätsel des neu entdeckten Lichtphänomens zu lösen, von dem es inzwischen mehr als 50 Sichtungen gibt. Auch die ESA arbeitet daran und hat bereits einen Satelliten zur Untersuchung des Phänomens gestartet. Sicher gesagt werden kann dazu lediglich, dass es sich um ein eigenes, neuartiges atmosphärisches Phänomen handelt und als solches auch anerkannt wurde.

Auch einen Namen hat das neuartige Phänomen bereits: "Steve", in Anlehnung an den Animationsfilm "Ab durch die Hecke".

Quelle: Dave Markel

Interessant ist dazu der Bezug zum UFO-Phänomen, da auch hier von manchen Forschern ein unbekanntes atmosphärisches Phänomen mit in die Diskussion eingebracht wird. Im Gegensatz zu den klischeebehafteten und nicht überzeugenden ET-Theorien zeigt das obige Beispiel, dass es tatsächlich noch unbekannte, naturbezogene Phänomene in unserer Atmosphäre gibt. Ein weiteres Beispiel ist das Blitzphänomen der oberen Atmosphäre, das auch erst ab 1989 als existierendes Phänomen erkannt und nachgewiesen wurde. Auch das allerdings noch umstrittene Kugelblitzphänomen kann mit in diese Kategorie einbezogen werden. Ansätze dazu könnten die Hessdalen-Lichter sein, wo auch geologische Ursachen mit eine Rolle spielen könnten.

In den Reihen der UFO-Forschung finden sich allerdings kaum Forscher, die sich jenseits des Fliegenden Untertassen-Mythos schwerpunktmäßig mit solchen rein atmosphärischen Erscheinungen befassen, und das, obwohl einige Forscher und Gruppen verstärkt anstelle von "UFO" den neutraleren Begriff "UAP" (Unidentified Aerial Phenomena) verwenden, um stärker den Bezug zu einem atmosphärischen Phänomen hervorzuheben, um so den schon wertenden Begriff des "Flugobjekts" zu umgehen. Neu ist das allerdings nicht, da dies schon während der 1980er Jahre eher erfolgos versucht wurde.

Neben der reinen Begrifflichkeit fehlt bislang allerdings die konkrete inhaltliche Umsetzung in der Forschung, da es wenig nutzt die Überschrift zu ändern, wenn darunter wie gehabt romantische Klischees der gesteuerten (außerirdischen) Flugobjekte mit Positions- und Blinklichtern gepflegt werden. Das dürfte auch mit ein Grund für ein anderes Problem sein, nämlich mangelnde Zeugen, die ein aus ihrer Sicht rein atmosphärisches Phänomen melden. Diese suchen sich dann meist andere Anlaufstellen, wenn sie es mit dem herkömmlichen UFO-Phänomen nicht in Verbindung bringen.

Fehlt der Forschung der Mut, sich auf eine solche Hypothese, jenseits der eingefahrenen Pfade, einzulassen oder will man am "Reiz des Phantastischen" festhalten? Diskussion erwünscht.

Quellen:
galileo.tv
Alberta Aurora Chasers
Fotogalerie
Dave Markel Photography

 

Polarlichter am Himmel

Polarlichter faszinieren die Menschen seit Jahrtausenden. Erstmals beschrieben im Jahr 567 v. Chr. glaubten die Menschen früher an göttliche Botschaften am Himmel. Heute wissen wir, dass die benötigte Energie für das Entstehen von Polarlichtern aus Emissionen der Sonne stammen. Sie entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds aus der Magnetosphäre auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen. Unser Erdmagnetfeld schützt uns vor der direkten Einstrahlung und lenkt die geladenen Teilchen zu den Polen im Norden und Süden ab. Dort ionisieren sie in der Erdatmosphäre und erzeugen ein wahrhaft fantastisches Naturschauspiel meist oberhalb des Nordpolarkreises bzw. unterhalb des Südpolarkreises. Nur sehr selten gelangen visuell wahrnehmbare Polarlichter auch in unsere Breitengrade nach Mitteleuropa.

Dennis Kirstein von ufo-information.de bereiste Ende November die Region nördlich des Nordpolarkreises, um das Nordkap in Norwegen herum, und schaute sich das Naturschauspiel an: "Als Hobby-Natur- und Astrofotograf war das Polarlicht immer ganz oben auf meiner Wunschliste. Deshalb reizte mich diese Reise in den hohen Norden sehr und ich hoffte wenigstens ein Mal das Polarlicht sehen und vielleicht sogar fotografieren zu können. Am Ende waren es 6 Nächte hintereinander, in denen das Licht über der See auftauchte. Eines schöner als das andere. Es entstanden Hunderte von Fotos in allen Farben und Formen. Man kann sagen, die Reise war ein voller Erfolg. Aber nicht nur wegen den Polarlichtern, sondern auch wegen der einzigartigen Küstenlandschaft Norwegens."

Eine allgemeine Erklärung wie sich das Polarlicht am Himmel darstellt, kann Dennis nicht geben. "Ich hatte zuvor noch nie ein Polarlicht live gesehen. Als wir es dann vom Schiff aus zum ersten Mal sahen, dachte ich zunächst an eine helle Wolke am Nachthimmel. Ich fotografierte sie und erkannte auf dem Foto sofort das Grün. Das konnte also keine Wolke gewesen sein. Sekündlich wurde die Wolke immer heller und aus dem zunächst nur hellen Fleck wurde auch visuell ein intensives Grün. Auf dem Schiff wurde sofort der Polarlichtalarm ausgerufen und alle strömten an Deck. Es stand direkt über dem Schiff und zog ein Band bis weit hinter den Horizont. Es war recht starr am Himmel und erinnerte mich an eine Schleierwolke, nur eben in einem Grünton. Außerdem wechselte die Intensität des Leuchtens von Sekunde zu Sekunde. Dennoch würde ich es am ehesten mit einer leuchtenden Wolke beschreiben. Ganz anders dagegen war ein Polarlicht was uns früh morgens um 6 Uhr ebenfalls via Alarm aus dem Schlaf riss. Binnen weniger Minuten stand ich winterfest und mit meiner Kameraausrüstung auf Deck. Dieses Polarlicht war vollkommen anders. Vielleicht lag es an der klirrenden Kälte und dem schon blauen Himmel. Auf jeden Fall glitzerte der Himmel förmlich in grün und lila. Das hier war keine gemächlich dahin ziehende Wolke, dass hier war Rock´n Roll am Himmel, ein wahres Feuerwerk. Also solches würde ich es auch beschreiben. Wie wenn eine Feuerwerksrakete am Himmel explodiert, nur dass dies hier kein einmaliger Effekt war, sondern der Himmel über viele Minuten so glitzerte."

Eine Auswahl der schönsten Fotos der Reise haben wir euch nachfolgend zusammen gestellt.

Werner Walter verstorben!

Völlig unerwartet erhielten wir die erschütternde Nachricht, dass der langjährige UFO-Forscher und Skeptiker Werner Walter überraschend am 07.11. nach einer OP noch im Krankenhaus im Alter von 59 Jahren verstorben ist.

Er war einer der Pioniere der kritischen, privaten UFO-Forschung der Nach-DUIST-Ära und 1976 Mitbegründer des Centralen Erforschungsnetzes Außergewöhnlicher Himmels-Phänomene in Mannheim, kurz CENAP. Er hat sich stets der Aufklärung und der intensiven Fall-Recherche verschrieben und hat der hiesigen UFO-Szene der früheren Jahre insbesondere durch umfangreiche Übersetzungen internationale Fälle zugänglich gemacht, so dass er von Weggefährten schon früh als "wandelndes UFO-Lexikon" bezeichnet wurde. Er war ein streitbarer aber dabei auch immer offener und ehrlicher Mensch.

2014 hat er sich, auch gesundheitsbedingt, aus der aktiven UFO-Szene weitgehend zurückgezogen.

Ein fotodokumentatorischer Abriss seiner Zeit als UFO-Forscher findet sich auf dem CENAP-Blog von Hansjürgen Köhler.

Ein ausführlicher Nachruf findet sich auch auf dem GWUP-Blog.

Mittlerweile auch in den Medien:
OnlineZeitung24
Südwest Presse - Reutlinger Nachrichten
derStandard.at
Hit Radio FFH

 

Update:

Am 14.12.2016 fand auf dem Hauptfriedhof Ludwigshafen eine kleine Trauerfeier mit anschließender Beisetzung von Werner Walter statt. Dazu waren einige langjährige Forscherkollegen vor Ort. Darunter auch Hans-Werner Peiniger, der für die GEP ein eigenes Gesteck spendierte wofür ihm Hansjürgen Köhler vom CENAP ausdrücklich dankte.

Im Anschluss fand man sich im Kollegenkreis noch zu einem ausgiebigem Gedankenaustausch zusammen, was von allen Beteiligten als positiv angesehen wurde. Es zeigt sich, dass persönliche Gespräche auch im allseits vernetzten Zeitalter durch nichts zu ersetzen sind.

Ein UFO vor 300 Jahren?

Von Ulrich Magin

Zur Zeit macht eine scheinbar sensationelle Meldung die Runde im Internet: Da gibt es ein Buch aus dem Jahr 1716, das eine fliegende Untertasse zeigt. Es handelt sich um eine Abhandlung des Mathematikers Johann Caspar Funck mit dem Titel: Joh. Casp. Funcsii: Liber de Coloribus Coeli und ist in Ulm erschienen.

In der Tat sieht das, was dort im Himmel dargestellt wird, wie eine moderne Untertasse aus. So liest man im Internet: „Die fliegende Untertasse wird gezeigt, als sie aus den Wolken kommt ...“

Wer sich die Abbildung allerdings genauer ansieht, der kann über der „Untertasse“ lesen: „Ps. 84. v. 12“ – und ein Bibelkundiger muss dann nur noch unter dieser Quellenangabe nachsehen. In Psalm 84, Vers 12, steht: „Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Ehre: er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.“ (Lutherbibel, 1912)

Dargestellt ist also Gott in Form von Schild und Sonne, und keine Untertasse. Wieder zeigt sich – wer alte Illustrationen mit modernen Augen betrachtet ... geht fehl!

Anmerkung von ui.de:
Leider kein Einzlfall. Solche historischen Illustrationen machen seit jeher die Runde in der UFO-Szene, ebenso wie in der Paläo-SETI, und werden oftmals mit unserem heutigen Verständnis und typischen Klischees interpretiert, losgelöst vom historischen Kontext.

Ein weiteres, bekanntes Beispiel und ein Klassiker dazu ist die Illustration der "UFOs über Nürnberg" von 1566. Auch damit hat sich der Autor Ulrich Magin ausführlich auseinandergesetzt, zu lesen hier.

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