Feuerbälle über Süddeutschland

Seit Montag abend sorgen Besucher aus dem All, in Form von Meteoriten, die als Feuerball über den süddeutschen Himmel ziehen, für einige Aufregung bei den Bürgern. Während in der Presse derzeit noch recht wenig darüber zu lesen ist, laufen vermehrt Meldungen bei den UFO-Meldestellen auf. Soweit bekannt, dürfte es sich bislang um zwei Meteoriten handeln, die als Feuerbälle mehrere Menschen erschreckt haben.

Die ersten Meldungen aufgeschreckter Menschen kamen ab dem späten Montag abend aus mehreren Orten im Süden, bspw. aus Offenburg, Ravensburg, Ulm, Günzburg und sogar aus dem Lechtal in Östereich, die gegen 21:30 Uhr einen Feuerball am Himmel beobachteten. Ein zweiter Feuerball sorgte am späten Dienstag Abend gegen 23.30 Uhr vor allem in der Stuttgarter Region für erhebliches Aufsehen, da er als heller Lichtblitz in Erscheinung trat, der kurzzeitig den Himmel erhellte. In den sozialen Medien kam es daraufhin zu regen Diskussionen über die mögliche Ursache.

Meteoritenaufname der Sternarte WelzheimBei der Sternwarte Welzheim wurde der Feuerball auch registriert und sogar von einer Überwachungskamera der Sternwarte aufgezeichnet. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung äußerte Martin Gertz von der Sternwarte Welzheim denn auch die Lösung in Form eines vermutlich "... etwa kartoffelgroßen, eisenhaltigen Meteoriten (...), der gegen 23.29 Uhr in die Erdatmosphäre eingedrungen ist." Das nebenstehende Bild der Kamera der Sternwarte zeigt rechts unten den Meteoriten als kegelförmige Lichterscheinung.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Sternschnuppen, die nur etwa Staubkorngröße erreichen, sind Meteoriten deutlich größer, so dass auch Bruchstücke davon auf dem Boden aufschlagen können.

Das Ganze erinnert an den ebenfalls sehr auffälligen Feuerball, der Mitte November 2017 über Süddeutschland und dem angrenzenden Ausland für Aufregung sorgte und gleichzeitig die Menschen fasziniete.

Foto: Sternwarte Welzheim

Siehe auch:
Feuerball über Süddeutschland, auf ui.de (2017)
Himmelsphänomen über der Region Stuttgart (Stuttgarter Zeitung)

Haunebu Nazi-UFO bei Revell

Eher Hanebüch als Haunebu

Letzte Woche gab es einige Aufregung in den Medien, nachdem ein Modelbausatz des Herstellers Revell für einiges Aufsehen sorgte (s. Abb.). Konkret war dies ein Bausatz einer  "Flying Saucer Haunebu II" im Maßstab 1:72, der lt. Revell ein detailgetreuer Nachbau eines Nazi-UFOs sein sollte, besser bekannt unter der Bezeichnung "Reichsflugscheibe". Ein insbesondere in rechtsextremen (UFO-)Kreisen gerne kolportierter Mythos und Bestandteil diverser Verschwörungstheorien. Stein des Anstoßes war dabei der erweckte Eindruck, es handele sich um ein historisch tatsächlich existentes Kriegsgerät der Nazis. Untermauert wurde das mit dem auf dem Karton abgedruckten Begleittext: "1934 begannen die Arbeiten an den Rundflugzeugen. Ihr Antrieb und die Neutralisierung der Fliehkräfte im Innenraum erfolgten über Vril-Energiefelder. Flugfähige Exemplare der bis zu 6.000 km/h schnellen Haunebu II starteten Mitte 1943, kamen aber kriegsbedingt nicht über die Erprobungsphase hinaus." Es handele sich um das "erste weltraumfähige Objekt der Welt". Dank beigefügter Abziehbilder liese sich das Modell "originalgetreu" dekorieren.

Nur leider ist weder an dem Objekt noch der abgedruckten Beschreibung irgendetwas "originalgetreu". Entsprechend äußerte sich der Historiker Jens Wehner vom Militärhistotischen Museum in Dresden, der gegenüber NDR Info bestätigte, dass es diese angebliche "Wunderwaffe" nie gab und die dazu aufgestellten Behautpungen objektiv falsch seien. Die beschreibenen technischen Eigenschaften seien schlicht Unsinn und liesen sich aus wissenschaftlicher Sicht nicht bestätigen. Ebenso belegen historische Forschungen zu dieser Zeit, dass nie an einem solchen Objekt gearbeitet wurde. Somit wird hier wird der Eindruck einer historischen Wahrheit geweckt, die es nie gab.

Problematisch ist zudem, dass durch diesen Bausatz und dessen Beschreibung den entsprechenden Verschwörungstheorien und Neonazi-Ufologen, bspw. um den mittlerweile verstorbenen Dr. Axel Stoll, die gerne behaupten, die Nazis hätten sich mit solchen Haunebus zum Ende des zweiten Weltkriegs nach "Neuschwabenland" abgesetzt, eine fiktive Ufobasis in der Antarktis, Vorschub geleistet wird. Indem ein renommierter Modellbau-Hersteller solche Nazi-Untertassen anbietet, können unbedarfte Käufer leicht der Meinung verfallen, dass ja dann doch an solchen diversen Theorien was dran sein muss. Nicht ohne Grund kritisierte focus.de daher auch die "Verfälschung der Geschichte und indirekte Verbreitung von esoterischen und rechtsextremen Verschwörungstheorien im Kinderzimmer". Parallel kritisierte auch der Kinderschutzbund das für Kinder ab 12 Jahren empfohlene Modell, da Politik und Weltanschauung nichts in einem Kinderzimmer zu suchen hätten.

Einhellig war somit auch die Forderung, den Artikel umgehend aus dem Programm zu nehmen. Revell reagierte umgehend, gab der Kritik recht und entschuldigte sich für die Verwirrungen, die der Verpackungstext ausgelöst hatte und distanzierte sich ausdrücklich von den in den Kritiken geäußerten Vorwürfen. Die Altersfreigabe ab 12 Jahren sei im Zusammenhang mit dem Schwierigkeitsgrad des Zusammenbaus zu sehen. In der Folge hat der Hersteller das Modell von der Webseite genommen und auch auf Amazon, wo der Bausatz ebenso erhältlich war, war er kurzzeitig nicht mehr verfügbar und noch laufende Bestellungen wurden offenbar storniert. Während Revell zuerst noch den Bausatz mit verändertem Text erneut anbieten wollte, soll der Verkauf lt. FAZ.NET komplett eingestellt und das Modell nicht weiter hergestellt werden. Natürlich will niemand Revell hier irgendeine Absicht unterstellen, es dürfte schlicht Gedankenlosigkeit gewesen sein, aber man hat hier schlicht nicht ausreichend recherchiert bzw. die möglichen Reaktionen bedacht. Hätte man das Ganze anders betitelt bzw. beschrieben, dann hätte man das vielleicht noch ins SciFi-Regal reinstellen und Revell das Fettnäpfchen so umfliegen können.
Nach Informationen von ufo-information.de laufen allerdings noch Amazon-Bestellungen aus dem ursprünglichen Angebot, denen zufolge eine Auslieferung noch angekündigt ist, allerdings mit einem geändertem Textaufdruck auf dem Karton. Inzwischen findet sich auf Amazon die betreffende Produktseite wieder, mit Angeboten von Privatverkäufern im dreistelligen Bereich. Auch auf ebay finden sich bereits Angebote des ursprünglichen Bausatzes, die ebenso mit deutlich höheren Geboten als der UVP über den Tisch gehen dürften. Das ist die andere Seite der Medaille, durch den Rückruf hat man so einen florierenden Spekulationsmarkt eröffnet. Abgesehen davon werden vergleichbare Bausätze im Ausland schon länger angeboten.

Aus Sicht der UFO-Szene lässt sich festhalten, dass die in den Medien teilweise dazu verbreiteten Hintergrundinformationen zum Thema Hanuebu und Reichsflugscheiben zutreffend waren und insgesamt auch das Wesentliche und Wichtigste dazu gesagt wurde, was bei dem Thema Ufos sonst leider nicht immer der Fall ist. Immerhin wurden die schon kurz nach Kriegsende aufkommenden Legenden zu solchen Nazi-Ufos auch frühzeitig in den Medien behandelt wie bspw. im Spiegel schon 1950. Dem kundigen Ufointeressierten fällt bei dem Haunebu-Objekt auch gleich die Ähnlichkeit zu den, schon lange als Fake entlarvten, so genannten "Scout Ships" der amerikanischen Kontaktlerszene um George Adamski der 1940er und 1950er Jahre auf (s. Abb.), von denen sich die geistigen Erfinder der Haunebus in den 1980er offenbar haben inspirieren lassen, zusammen mit dem aus einem britischen Roman stammenden Vril, das dort als eine fiktive Energie beschrieben wurde, worauf André Kramer von der GEP hinwies. Auch für die davor schon behaupteten "Reichsflugkreisel" als eher konventionelle Flugscheiben um deren angeblichen Erfindern Schriever und Habermohl gibt es keinerlei Belege und die Entstehung und Konstruktion des gesamten Mythos ist mittlerweile auch gut dokumentiert und nachvollziehbar. Oder wie es ein Rezensent auf Amazon auf den Punkt brachte: "Eher Hanebüch als Haunebu".

Update 11.07.2018
Nach unserem Kenntnisstand hat Amazon die zuletzt noch aufgelaufenen regulären Bestellungen zu dem Modell bearbeitet und die Modellbausätze mittlerweile weitgehend ausgeliefert. Die letzten Bestellungen wurden offensichtlich nicht storniert, sondern noch bedient, was allerdings auch Lagerbestände bei Amazon gewesen sein konnten. Darauf deutet hin, dass der kritisierte Text auf der Verpackung nicht geändert wurde und noch dem Original entspricht. Revell äußerte auf eine Anfrage hin, dass die Auslieferung des Artikels derzeit gestoppt ist. Nach einer Überarbeitung soll er jedoch wieder im Handel und online zu normalen Preisen erhältlich sein.

Siehe hierzu auch unsere Themenseite zum Thema Reichsflugscheiben

Quellen:
https://www.ndr.de/nachrichten/Fiktives-Nazi-Ufo-fuers-Kinderzimmer,revell100.html
https://www.focus.de/finanzen/news/verfaelschung-der-geschichte-modellbauhersteller-revell-in-der-kritik-fiktives-nazi-ufo-fuers-kinderzimmer_id_9112873.html
https://www.vice.com/de/article/bj3an3/modellbauhersteller-verkauft-nazi-ufos-und-behauptet-es-habe-sie-wirklich-gegeben
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/eklat-um-bausatz-revell-nimmt-nazi-ufo-aus-dem-verkauf-15646646.html
https://meedia.de/2018/06/19/modellbaufirma-revell-nimmt-nazi-ufo-haunebu-2-nach-massiver-kritik-aus-dem-programm/
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44447768.html

Fotos: 1.: amazon.de, 2.: en.wikipedia.org

Das UFO-Archiv der AFU

Das in Schweden ansässige 'Archive for the Unexplained' (AFU) wurde 1973 als 'Archives for UFO Research' gegründet und 2013 umbenannt. Der Hauptsitz befindet sich in Norrköping. Seit 1980 ist die AFU als gemeinnützige Stiftung nach schwedischem Recht organisiert. Kernziel ist der Aufbau und Betrieb eines weltweiten Materialarchiv zum UFO-Thema, das allen Forschern zugänglich gemacht werden soll. Insbesondere seit den 2000er Jahren gewinnt die AFU eine zunehmende Bedeutung als internationales Archiv für Material zur Forschung rund um das UFO-Phänomen und verwandten Themen. Das AFU-Archiv beinhaltet umfangreiche Materialsammlungen, nicht nur aus Skandinavien, sondern auch aus Europa und Amerika.

Das Archiv umfasst neben Büchern und Zeitschriften auch ein Zeitungsarchiv mit Artikeln, Unterlagen zu UFO-Berichten sowie ein Audio- und Video-Medienarchiv. Das Material stammt zum einen aus weltweiten Spenden, zum anderen auch aus eigenen Ankäufen. So hat die AFU bspw. das Komplettset der Mikrofilme der Blue Book Files angekauft. Unter den Spenden befindet sich u.a. auch das vom früheren österreichischen MUFON-CES Mitglied Luis Schönherr in den 1980ern aufgebaute CODAP-Archiv von UFO-Sichtungen. Darüber hinaus sammelt die AFU auch Kuriositäten rund um das UFO-Thema, wie Illustrationen, Modelle, Kunst und anderes, um so ggf. eine Art Museum aufzubauen.

Das weltweit größte Materialarchiv der AFU füllt aktuell etwa 1,5 Regal-Kilometer mit u.a. mehr als 50.000 Magazinen, etwa eine halbe Million an Zeitungsartikeln und mehr als 50.000 originalen UFO-Berichten aus dem europäischen Raum, und wird beständig ausgeweitet. Die eigene Bücherei verweist auf mehr als 20.000 Titeln. Die AFU wird bei der eigenen Arbeit von mehreren freiwilligen Kräften unterstützt. Die Archivierung findet professionell statt und verteilt sich auf mehrere Standorte.

Aktuell findet eine Digitalisierung des Archivs statt, um so die angestrebte Unterstützung der weltweiten Forscher weiter zu erleichtern. Ein aktuelles Projekt ist hierbei das Projekt Phoenix des britischen Forschers Isaac Koi, das die Erstellung eines digitalen weltweiten Zeitschriftenarchiv ist, das allgemein zugänglich gemacht wird. In dessen Rahmen hat Koi auch Kontakt zur deutschen UFO-Szene aufgenommen. Neben Hansjürgen Köhler (CENAP), der schon in der Vergangenheit über seine skandinavischen Verbindungen Kontakt zur AFU hatte und eine Archivbereitstellung vorbereitet und Danny Ammon (GEP), der insbesondere die Bereitstellung der GEP und anderer Vereine koordiniert, unterstützen auch wir von ufo-information.de mit dem über uns bereitgestellten Material und den von uns recherchierten, internationalen Materialquellen. Das betrifft bspw. auch unser im Aufbau befindliche Online CENAP-Report Archiv, das wir der AFU zur Verfügung gestellt haben und die AFU uns im Gegenzug in naher Zukunft beim Scannen noch fehlender Ausgaben unterstützt.

Im Zuge dessen haben wir unsere eigene Zeitschriftenseite komplett überarbeitet und analog der AFU ebenso eine länderbezogene Einteilung erstellt, die für jedes Land primär auf die Zeitschriftenseite bei der AFU verweist. Ggf. haben wir dann dazu weitere von uns recherchierte Zeitschriften verlinkt, die bislang nicht oder unvollständig bei der AFU gelistet sind. Insofern erhalten Sie hier bei uns, neben dem bereits sehr umfangreichen AFU-Zeitschriftenarchiv, noch weitere Bezugsmöglichkeiten frei zugänglicher Zeitschriften.
Erfreulich ist vor allem, dass für die AFU weitere deutsche Zeitschriften zur Verfügung gestellt werden, die bislang nicht frei zugänglich waren. Für Deutschland listen wir die erhältlichen Zeitschriften, egal ob über die AFU oder anderen externen Quellen, weiter einzeln auf.

In dem Zusammenhang der Hinweis: Sofern sie selber Material, gerade in Form von Zeitschriften oder auch anderem, besitzen oder von ungenutzten Archiven und Materialsammlungen wissen und das ggf. auch über uns oder der AFU zur Verfügung stellen möchten, setzen Sie sich mit uns in Vernindung, wir unterstützen Sie gerne dabei. Gerade die AFU bietet die Möglichkeit einer langfristigen gesicherten Archiverung, unabhängig von Einzelpersonen. Wir haben schon des öfteren in der Vergangenheit erlebt, dass wertvolle Materialsammlungen von Einzelpersonen in den Müll wanderten, nachdem diese Personen kein Interesse mehr am Thema hatten oder auch verstorben sind.

Webseite der AFU
Downloadverzeichnis der AFU
Unsere Zeitschriftenseite mit den AFU-Links und weiteren internationalen Zeitschriften
Unsere Projektseite zum CENAP-Report

Fotos: afu.se

 

 

 
 
 
 
 
 
 

70 Jahre UFOs - und was nun?

2017 konnte das neuzeitliche UFO-Phänomen, ausgehend von der berühmten Kenneth Arnold-Sichtung 1947 als Initialereignis, 70jähriges Jubiläum feiern. Grund genug sich zu fragen: 70 Jahre UFOs - und was nun?

Diese Frage stellten sich auch zwei führende UFO-Forscher, der Spanier Vicente-Juan Ballester Olmos und der Amerikaner Dr. Thomas E. Bullard. Ihre jeweiligen Statements (in Englisch) wurden im Juni 2017 auf Ballester Olmos Blog veröffentlicht (http://fotocat.blogspot.com.es/2017_06_09_archive.html) und sind beide lesenswert.
Ulrich Magin hat für uns eine kleine Zusammenfassung angefertigt.

Ballester Olmos schließt nach 50 Jahren aktiver Forschung, dass 70 Jahre UFO-Forschung nichts gebracht haben – weil es kein UFO-an-sich zu erforschen gibt. „Ich befürchte, dass 70 Jahre Luftzwischenfälle, nahe Begegnungen, Radarkontakte, Fotos und Videos und weitere scheinbar erstaunliche Erfahrungen zusammengenommen nicht beweisen, dass sich [außerirdische] Besuche ereignet haben. Die Indizien reichen als Beweis einfach nicht aus. Um aber realistisch zu bleiben: Die Menschen werden den Mythos der Fliegenden Untertassen nicht aufgeben. [...] In der einen oder anderen Form wird es diese Mythologie auf ewig geben. Schließlich sind die bodenständigen Aufklärungen im Vergleich dazu langweilig und öde und nur für eine Handvoll Akademiker von Interesse. [...] nach 70 Jahren [...] ist alles, was wir haben, Berichte über ambivalente Phänomene, die unterschiedlich aussehen und sich jeweils anders verhalten. Die meisten Fälle, die interessant scheinen, haben sich vor Jahren ereignet, und keine der Tausende von sogenannten Landeereignissen hat je irgendeinen Beleg von Aussagekraft hinterlassen. Je weiter sie zurückliegen, desto mehr lesen sich die einst überzeugend wirkenden Fälle wie Anekdoten und Geschichten. Als Indizien für einen Besuch durch Außerirdische sind sie immer weniger glaubhaft. Ich möchte meine fünf Jahrzehnte eigener Forschung [...] mit einem Zitat von [...] Hilary Evans aus dem Jahr 1988 beenden: ‚Wenn wir etwas aus diesem wunderbaren Mythos lernen wollen, den wir selbst geschaffen haben, dürfen wir nie eine Tatsache aus dem Blick verlieren – dass es bloß ein Mythos ist.`“

Thomas E. Bullard zeigt sich vorsichtig optimistischer, was UFOs und die Zukunft der UFO-Forschung angeht: „Ein Vergleich zweiter Samples mit Fällen mit UFO-Besatzungen zeigte bei den glaubwürdigeren Berichten deutlichere Präferenzen für Beschreibungsoptionen auf, als es bei den allgemeinen Meldungen der Fall ist. Diese Übereinstimmungen könnten auf kulturellen Faktoren beruhen, auf den Einstellungen des Untersuchers, oder eben auf echte Beobachtungen im Gegensatz zu reiner Einbildung. Zumindest halte ich diese Möglichkeit für untersuchungswert. Ein höchst lebendiger Mark Twain meinte einmal: ‚Die Gerüchte über meinen Tod sind stark übertrieben.‘ Dasselbe, über UFOs gesagt, ist vielleicht nahe an der Wahrheit, jedenfalls muss der 70. Jahrestag nicht das Ende der Geschichte sein. Vielleicht greife ich – wie ein wahrer Gläubiger – nach dem sprichwörtlichen Strohhalm, aber ich erkenne nach wie vor ein echtes Geheimnis inmitten von all dem Schutt und den Irrwegen, mindestens jedoch einen Weg für bislang noch nicht erforschte oder nur unzureichend erforschte Fragestellungen. Solange das noch so ist, sehe ich eine Zukunft für die Ufologie.“

Zwar wurde 2017 der 70jährige Jahrestag der Kenneth Arnold-Sichtung in der UFO-Szene allgemein gewürdigt, jedoch vermissen kritische Untersucher eine notwendige Diskussion des Forschungsstands verbunden mit einer ggf. notwendigen Neuausrichtung der Forschungsbemühungen anhand konkreter Forschungsfragen und Hypothesen.

Wir von ufo-information.de können den obigen kritischen Reflektionen nur zustimmen, wenngleich auch wir noch eine ganze Reihe an interessanten und nicht beantworteten Fragestellungen sehen, wie das Bullard äußert. Denn auch wenn man nicht von einer intelligenten, außerirdischen Implikation im derzeitigen UFO-Phänomen ausgeht, bedeutet das nicht, dass alles geklärt ist bzw. alle Fragen bereits beantwortet sind. Das schließt auch nicht aus, dass (weiterhin) durchaus interessante Sichtungen stattfinden, die sich dem Anschein nach einer herkömmlichen Erklärung entziehen, zumindest dem aktuellen Erkenntnisstand nach. Ebensowenig schließt das ggf. eine rein atmosphärische Anomalie, zumindest für einige wenige Sichtungen, aus. Auch in den Fallarchiven skeptischer Untersucher finden sich Fälle, die sich aktuell einer stimulibasierten Erklärung zu entziehen scheinen. Die Frage hierbei ist jedoch, in welchem Kontext man derartige Sichtungen beurteilt.
Oder wie es der skeptische Forscher Robert Schaeffer ausdrückte: "Die Existenz außerordentlicher Berichte legt nicht zwangsläufig die Existenz außergewöhnlicher Objekte nahe. Es ist durchaus möglich außerordentliche Berichte und Zeichnungen von gewöhnlichen Objekten zu bekommen".
Eine Grundlage hierfür stellt bspw. die in der englisch- und französischsprachigen UFO-Szene geprägte Composite and Reductionist Theory (CRT) des UFO-Phänomens dar.

 
 

UFO-Akten im Pentagon?

Bislang unbekanntes Forschungsprogramm des Pentagon untersuchte heimlich UFO-Meldungen

Darum geht es

Am 16.12.2016 ging eine aufsehenerregende Meldung durch die Medienlandschaft, die es bis in die Hauptnachrichtensendungen diverser Fernsehsender geschafft hat. So gab es nach Berichten der New York Times und des POLITICO Magazins in den Jahren 2007 bis 2012 ein Forschungsprojekt des Pentagons in dessen Rahmen Meldungen seitens Militärangehöriger über mysteriöse Flugobjekte und Erscheinungen im Luftraum nachgegangen und ebenso aufgefundene Artefakte eingesammelt wurden.
Das als "Advanced Aerospace Threat Identification Program" (Programm zur Identifizierung von Bedrohungen im Luft-und Weltraum) bezeichnete Programm habe demnach ein Budget von jährlich 22 Millionen Dollar gehabt, die im Verteidigungshaushalt versteckt worden seien. Das Pentagon hat die Berichte dazu bestätigt, aber gleichzeitig betont, dass das Programm 2012 eingestellt wurde, um das Geld für andere "wichtigere Dinge" zu verwenden. Dem Projektleiter zufolge hätten die zuvor an dem Projekt beteiligten Mitarbeiter allerdings weiter, neben ihrer normalen Tätigkeit, eingehende Meldungen von Militärangehörigen über mysteriöse Flugobjekte untersucht.

Beteiligte Personen und Untersuchungen

Das Programm kam auf Initiative des damaligen demokratischen Mehrheitsführers im US-Senat, Senator Harry Reid aus Nevada, zustande. Geleitet wurde das Projekt von Luis Elizondo, einem militärischen Geheimdienstbeamten, der dieses Jahr im Oktober, nach Medienangaben auch aus Unzufriedenheit über die Einstellung der Finanzierung und die mangelnde Untersützung danach, kündigte. Wie er ausführte, habe man die Arbeit und die Ergebnisse nicht ernst genug genommen.
Ähnlich äußerste sich Reid, nachdem er 2009, aufgrund von seiner Überzeugung nach außergewöhnlichen Entdeckungen, für eine erhöhte Sicherheit des Programms eintrat. In einem entsprechenden Brief an den damaligen Deputy Secretary of Defense, William J. Lynn, forderte er die Kennzeichnung des Programms als "restricted special access program” mit eingeschränktem Zugang für ausgewählte Beamte, was aber abgelehnt wurde. Nach seiner Kündigung ging Elizondo zur "To the Stars Academy"-Organisation, die ihrerseits u.a. die unten erwähnten Videos publizierten.

Mit der Untersuchung der eingehenden Sichtungsberichte wurde die Firma Bigelow Aerospace in Las Vegas beauftragt, die auch mit der NASA bei der Entwicklung neuer Raumfahrzeuge zusammenarbeitet. An diese Firma ging offenbar der Großteil der zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel. Der Eigentümer des Unternehmens, Robert Bigelow, ist nicht nur ein enger Freund von Harry Reid, sondern beide glauben gleichermaßen an regelmäßige Besuche von Außerirdischen bzw. an die Existenz von UFOs i.S. außerirdischer Raumfahrzeuge und sind mit der amerikanischen UFO-Szene verbandelt. Darüberhinaus gibt es auch vertragliche Vereinbarungen mit der amerikanischen UFO-Gruppe MUFON hinsichtlich deren "STAR Team Impact Project" inkl. der finanziellen Unterstützung. Zudem soll das Unternehmen auch Subunternehmer für das Forschungsprogramm angeworben haben, was auch eher seltsam anmutet.

Im Zuge der Untersuchungen habe man neben allgemeinen Sichtungen von Militärangehörigen auch Personen auf physische Veränderungen untersucht, die durch den Kontakt mit Artefakten oder der Beobachtung von Objekten möglichen physikalischen Effekten ausgesetzt worden seien, und habe zudem auch Metallteile gesammelt, die von unidentifizierten Objekten herrühren sollen. Für die Lagerung derartiger Artefakte habe man eigens Gebäude des Unternehmens in Las Vegas modifiziert. Über die Untersuchungen seinen umfangreiche Dokumente erstellt worden, die die Beobachtung mysteriöser Flugobjekte beschreiben.

Mutmaßliche Videos aus dem Projekt

Im Rahmen der Berichterstattung in den Medien werden regelmäßig Ausschnitte aus einem Video gezeigt, das Aufnahmen einer FLIR-Wärmekamera aus einer F-18 des Flugzeuggträgers Nimitz aus 2004 zeigen soll, auf denen ein solches unbekanntes Flugobjekt zu sehen sein soll. Das Video sowie mittlerweile ein zweites, wurde über die "To the Stars Academy" publiziert und ist auch auf YouTube zu sehen. Beide Videos sollen im Rahmen des Forschungsprogramms erhoben worden sein, allerdings liegen aus dem Projekt selber dazu keine Dokumente vor. Die Videoaufnahmen werden seither kontrovers diskutiert, auch da deren Herkunft teilweise unklar ist. Insgesamt wird von drei Videos gesprochen, wobei zu dem dritten bislang noch nichts bekannt ist.

Zumindest eines der Videos, zum Nimitz Zwischenfall 2004, wurde bereits 2007 im Netz kritisch diskutiert. Die beiden UFO-Forscher Isaac Koi aus England und Robert Powell aus Texas gaben jeweils unabhängig voneinander an, das Video damals auf einer Webseite deutscher Filmstudenten gesehen zu haben, allerdings ohne konkrete Belege dafür, dass es auch dort seinen Ursprung hat bzw. gefaked wurde. Nach aktuellen Informationen handelt es sich dabei um die Special Effects Firma "Vision Unlimited" im baden-württembergischen Uhingen. Das Video kann nachwievor über web.archive.org von deren Webseite abgerufen werden (Link s.u.).

Ferner werden lt. den Medienberichten in den gesammelten Beobachtungen Objekte beschrieben, die sich mit "sehr hoher Geschwindigkeit" und "ohne erkennbaren Antrieb" bewegt hätten, wozu allerdings ebenso noch keine Dokumente vorliegen.

Unsere Einschätzung

Während in Teilen der UFO-Szene diese "Enthüllungen", wobei im Grunde bislang nicht wirklich etwas "enthüllt" wurde, enthusiastisch aufgenommen und als (weiterer) Beweis für eine meist geheime staatliche UFO-Forschung und ebenso für die Existenz der UFOs (im außerirdischen Sinn) gewertet wird, reagieren kritische Forscher eher zurückhaltend und verweisen zu Recht auf die fragliche Reputation der Beteiligten sowie das Fehlen von substantiellen Materials und Dokumenten zur Beurteilung.

Auch wir sehen diese Verlautbarungen eher kritisch und verweisen auf mehrere aktuelle Kritikpunkte und offene Fragen:

- Die Hauptprotagonisten des Projekts sind von der Existenz (außerirdischer) Flugobjekte überzeugt und unterhalten auch enge Kontakte zur amerikanischen UFO-Szene. Die Verbreitung diversen angeblich geheimen Materials, wie das oben erwähnte Video, über die "To the Stars Academy" steht selbst in der UFO-Szene unter Kritik, da dieses Unternehmen auch "Entertainment" betreibt, wirtschaftliche Interessen verfolgt und somit ein fragwürdiges Licht auf die Beteiligten und deren Neutralität im Forschungsprogramm wirft, oder wie wir hier im schwäbischen sagen ein "Gschmäckle" hat.

- Über die Art und Weise der durchgeführten Untersuchungen und Recherchen, sowohl seitens des Pentagons als auch des beteiligten Unternehmens, ist derzeit nichts bekannt. Wurden tatsächlich Untersuchungen und Recherchen angestellt, um herkömmliche Phänomene und Objekte auszuschließen oder nur Vorfälle und kuriose Artefakte gesammelt? Letzteres hätte praktisch keine Aussagekraft.

- Es existiert offenbar ein mehrere hundert Seiten starker Bericht des Projekts, von dem allerdings derzeit noch nichts publiziert wurde, also keine detaillierten Untersuchungsberichte bekannt sind, was aber für eine Bewertung und mögliche Schlussfolgerungen Voraussetzung wäre.

- Warum hat das Pentagon das Forschungsprojekt eingestellt? Hat es die Erwartungen nicht erfüllt und letztlich keine wirklich sensationellen Erkenntnisse hervorgebracht?

- Die derzeit verbreiteten Video sind in der Form wenig aussagend und für sich alleinstehend kaum sinnvoll verwertbar. Dazu fehlen detailliertere Angaben und Untersuchungen. Zudem unterliegen die Videos Kritik hinsichtlich der Authentizität. Auch gab es schon andere ähnliche FLIR-Videos, über die auch gerätselt und spekuliert wurde, sich dann aber als unterschiedliche, herkömmliche Wärmequellen herausstellten.

Fazit zum jetzigen Zeitpunkt: Außer der Tatsache, dass es ein solches Forschungsprojekt gab, was aus der Tatsache heraus, dass ein Land auch immer ein Interesse daran hat, mögliche geheime Aktivitäten fremder Nationen im eigenen Luftraum zu identifizieren, nicht so ungewöhnlich ist, gibt es nur Fragmente dessen, was angeblich als gesammeltes Material vorliegt. Darüberhinaus liegt momentan nichts wirklich verwertbares oder gar substantielles vor, so dass Schlussfolgerungen, was damit bewiesen sei, zum jetzigen Zeitpunkt unangebracht sind.

Es bleibt also abzuwarten, ob den Ankündigungen noch wirklich verwertbares folgt, oder das Ganze eine eher spekulative Blase bleibt. Wir bleiben dran.

 

US-amerikanische Primärquellen:
https://www.nytimes.com/2017/12/16/us/politics/pentagon-program-ufo-harry-reid.html
https://www.nytimes.com/2017/12/16/us/politics/unidentified-flying-object-navy.html
https://www.politico.com/magazine/story/2017/12/16/pentagon-ufo-search-harry-reid-216111

Deutschsprachige Medien:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-12/pentagon-usa-ufo-sichtung-untersuchung
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/pentagon-forschte-jahrelang-heimlich-nach-aliens-und-ufos-15346111.html
https://www.heise.de/newsticker/meldung/UFO-Programm-des-Pentagon-Ex-Leiter-glaubt-wir-sind-nicht-allein-3922030.html
https://www.n-tv.de/politik/Pentagon-forschte-jahrelang-nach-Ufos-article20188894.html
http://www.dw.com/de/forscht-das-pentagon-weiter-heimlich-nach-ufos/a-41827102
http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/us-regierung-suchte-heimlich-nach-aliens-a-1183759-amp.html

Videos auf "To the Stars Academy":
https://coi.tothestarsacademy.com/2004-nimitz-flir1-video
https://coi.tothestarsacademy.com/gimbal
Download des Videos von der Webseite von Vision Unlimited aus 2007:
https://web.archive.org/web/20070217091957/http://www.vision-unlimited.de:80/extern/f4.mpg

Diskussion:
http://badufos.blogspot.de/2017/12/delonge-overload-and-secret-federal-ufo.html
http://www.fox5vegas.com/story/36815728/mystery-ufo-video-supposedly-from-uss-nimitz-fighter-jet-intrigues-researchers
https://www.metabunk.org/nyt-video-of-u-s-navy-jet-encounter-with-unknown-object.t9333/
http://www.abovetopsecret.com/forum/thread265835/pg1

Berichte in der deutsche UFO-Szene:
https://www.ufo-forschung.de/presse-ueber-ufos/hinweise-auf-ehemals-geheimes-programm-des-pentagon-zu-ufo-sichtungen-loesen-spekulationen-aus
https://www.hjkc.de/_blog/2017/12/20/9226-ufo-forschung-the-pentagons-mysterious-ufo-program-update-4/
https://www.exopolitik.org/exopolitik-und-ufos/exopolitik/1034-jetzt-offiziell-pentagon-unterhielt-geheimes-ufo-projekt

Aktuelle Seite: Home Aktuelles Weblog