Erich von Däniken (1935-2026): Der Pionier der Prä-Astronautik und sein umstrittenes Erbe
Ein Nachruf auf den Mann, der die “Ancient Aliens”-Bewegung maßgeblich prägte
Am 10. Januar 2026 verstarb Erich von Däniken im Alter von 90 Jahren in einem Krankenhaus im schweizerischen Unterseen. Mit ihm ging einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts, der wie kein anderer die Prä-Astronautik – auch Paläo-SETI genannt – zu einem weltweiten Phänomen machte. Während die akademische Wissenschaft seine Thesen als Pseudowissenschaft ablehnt, faszinierte von Däniken Millionen von Menschen mit seiner Vision einer von Außerirdischen beeinflussten Menschheitsgeschichte. Dieser Nachruf reflektiert sein Lebenswerk und seine nachhaltige Bedeutung für die Prä-Astronautik-Szene.
Vom Hotelier zum Weltbestseller-Autor
Erich Anton Paul von Däniken wurde am 14. April 1935 in Zofingen im Kanton Aargau geboren. Seine Ausbildung als Koch und Hotelier schien zunächst wenig mit seinem späteren Lebenswerk zu tun zu haben. Doch bereits während seiner Schulzeit interessierte sich von Däniken brennend für Archäologie, Weltraumfahrt, Philosophie und insbesondere Religionsphilosophie. Wie er später in zahlreichen Interviews betonte, begann er schon früh, traditionelle Deutungen von Mythen, Überlieferungen und biblischen Texten kritisch zu hinterfragen.
Die entscheidende Wende kam 1968, als von Däniken – damals noch Hoteldirektor im Schweizer Luftkurort Davos – sein erstes Buch veröffentlichte: “Erinnerungen an die Zukunft – Ungelöste Rätsel der Vergangenheit” (englisch: “Chariots of the Gods”). Das Timing war perfekt: Die Menschheit stand am Beginn des Raumfahrtzeitalters, das Apollo-Programm war angelaufen, und die Mondlandung von 1969 stand bevor. In dieser Zeit der kosmischen Aufbruchsstimmung traf von Dänikens kühne Hypothese den Nerv der Epoche.
Der Erfolg war überwältigend. Das Buch wurde zum internationalen Bestseller, später sogar verfilmt und für einen Oscar nominiert. Von Däniken gab 1976 seinen Gastronomie-Job auf und widmete sich fortan vollständig seiner Leidenschaft – der Erforschung möglicher außerirdischer Spuren in der Menschheitsgeschichte.
Die Kernthesen der Prä-Astronautik nach von Däniken
1. Die Astronautengötter-Hypothese
Von Dänikens zentrale These lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Außerirdische Wesen haben vor Jahrtausenden die Erde besucht und massiven Einfluss auf die Entwicklung der menschlichen Zivilisation genommen. Diese “Götter” aus dem Kosmos wurden von den damaligen Menschen aufgrund ihrer überlegenen Technologie als göttliche Wesen verehrt und in Mythen, Legenden und religiösen Überlieferungen dokumentiert.
Von Däniken argumentierte, dass “primitive” prähistorische Kulturen die monumentalen Bauwerke und technologischen Errungenschaften ihrer Zeit nicht ohne fremde Hilfe hätten erschaffen können. Die außerirdischen Besucher hätten den frühen Menschen Wissen und Technologie vermittelt und seien zu Kulturbringern geworden.
2. Biblische Berichte als Kontaktprotokolle
Ein besonders kontroverser Aspekt von Dänikens Arbeit war seine Neuinterpretation biblischer und anderer religiöser Texte. Seine bekannteste Analyse betrifft die Vision des Propheten Ezechiel (Hesekiel) im Alten Testament:
“Die biblische Beschreibung von Ezechiels Begegnung auf dem Berg Sinai beschreibt nichts anderes als die Landung eines Raumschiffs”, schrieb von Däniken.
Er deutete die “Räder in Rädern”, die “Cherubim” und den “Thron Gottes” als detaillierte Beschreibung eines außerirdischen Flugobjekts samt Besatzung. Für von Däniken war der allmächtige Gott der Bibel in Wahrheit ein technisch hochentwickeltes Wesen in einem Himmelsfahrzeug – ein Astronaut, kein metaphysisches Prinzip.
Trotz dieser radikalen Umdeutung betonte von Däniken stets, weiterhin gläubig zu sein. Er formulierte sinngem: Ein möglicher Schöpfergott werde den Menschen nicht für blinden Glauben beurteilen, sondern dafür, ob er seinen Verstand genutzt habe, um nach Wahrheit zu suchen.
3. Archäologische “Beweise” weltweit
Von Däniken bereiste über Jahrzehnte die gesamte Welt und dokumentierte archäologische Stätten, die seiner Meinung nach nur mit außerirdischer Hilfe erklärbar seien:
Die Pyramiden von Gizeh (Ägypten):
Von Däniken vertrat die These, dass die präzise Konstruktion, das gewaltige Gewicht der Steinblöcke und die astronomische Ausrichtung der Pyramiden die technischen Möglichkeiten der alten Ägypter bei weitem überstiegen. Außerirdische hätten entweder beim Bau geholfen oder zumindest das erforderliche Wissen übermittelt.
Die Maya-Pyramiden (Mittelamerika):
Auch die monumentalen Bauwerke der Maya und anderer präkolumbischer Kulturen schrieb von Däniken außerirdischer Unterstützung zu. Besonders der berühmte “Astronaut von Palenque” – ein Relief auf der Grabplatte des Maya-Herrschers K’inich Janaab Pakal – wurde von ihm als Darstellung eines Raumfahrers in einem Raumschiff interpretiert.
Die Nazca-Linien (Peru):
Die riesigen Scharrbilder in der peruanischen Wüste, die nur aus der Luft vollständig erkennbar sind, deutete von Däniken als Landebahnen für außerirdische Raumschiffe oder als Signale an die Götter-Astronauten. Die Frage, warum eine Kultur ohne Luftfahrt solche Figuren schaffen sollte, beantwortete er mit: Sie taten es für ihre himmlischen Besucher.
Die Osterinsel-Moai:
Die kolossalen Steinstatuen der Osterinsel interpretierte von Däniken als mögliche Darstellungen außerirdischer Besucher oder als Zeugnis für eine verlorene, technologisch fortgeschrittene Zivilisation.
Stonehenge und andere Megalith-Anlagen:
Die präzise astronomische Ausrichtung und die enormen Steinblöcke europäischer Megalithanlagen sah von Däniken als weitere Indizien für außerirdisches Wissen.
4. Die Wiederkehr-Prophezeiung
Von Däniken war zeitlebens überzeugt, dass die außerirdischen Besucher zurückkehren würden. 2018 prophezeite er in der Schweizer Boulevardzeitung “Blick”:
“In den nächsten zehn Jahren wird die Welt mit außerirdischen Wesen in Kontakt kommen, es werden schöne Begegnungen werden.”
Diese Prophezeiung sollte er nicht mehr erleben. Für von Däniken war die Rückkehr der “Götter” jedoch keine Bedrohung, sondern eine Chance für die Menschheit, ihre wahre kosmische Geschichte zu verstehen.
Von Dänikens Forschungsmethodik: Zwischen Enthusiasmus und Wissenschaftsanspruch
Die autodidaktische Herangehensweise
Von Däniken war kein ausgebildeter Archäologe, Historiker oder Naturwissenschaftler. Seine Methodik beruhte auf:
Selektiver Interpretation: Er wählte archäologische Funde und historische Texte aus, die in sein Weltbild passten
Analogiedenken: Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Kulturen deutete er als Beweis gemeinsamer außerirdischer Einflüsse
Infragestellung des Mainstreams: Wo etablierte Wissenschaftler konventionelle Erklärungen boten, stellte von Däniken die Frage: “Aber ist das wirklich alles?”
Visuelle Suggestion: Durch Fotos, Zeichnungen und später Videos präsentierte er seine Interpretationen überzeugend
Die Stärke: Storytelling und Zugänglichkeit
Von Dänikens größte Stärke lag in seiner Fähigkeit, komplexe Themen unterhaltsam und für Laien verständlich darzustellen. Er schrieb nicht für Fachkollegen, sondern für ein breites Publikum. Seine Bücher lasen sich wie spannende Abenteuerromane, gespickt mit Mysterien und ungelösten Rätseln. Diese Popularisierung machte Themen wie Archäologie und Astronomie für Millionen Menschen zugänglich – auch wenn die Wissenschaft seine Schlussfolgerungen ablehnte.
Akademische Kritik: Die Wissenschaft antwortet
Die akademische Welt reagierte von Beginn an ablehnend auf von Dänikens Thesen. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und zahlreiche Facharchäologen wiesen seine Argumente als Pseudowissenschaft zurück.
Hauptkritikpunkte der Wissenschaft:
1. Unterschätzung menschlicher Fähigkeiten
Kritiker werfen von Däniken vor, die Kreativität, Intelligenz und technischen Fähigkeiten antiker Kulturen systematisch zu unterschätzen. Archäologische Forschungen haben wiederholt gezeigt, dass die Bauwerke und Kunstwerke mit den damaligen Mitteln durchaus möglich waren – wenn auch mit großem Aufwand.
2. Selektive Quellenauswahl
Von Däniken ignoriere Funde und Erkenntnisse, die seinen Thesen widersprechen, und konzentriere sich ausschließlich auf Anomalien, die er nach Belieben interpretiere.
3. Fehlende archäologische Beweise
Bislang wurde kein einziger eindeutiger archäologischer Beweis für außerirdische Besuche gefunden: keine außerirdischen Artefakte, keine fremden DNA-Spuren, keine Technologie, die nicht menschlichen Ursprungs sein könnte.
4. Alternativerklärungen ignoriert
Für alle von Däniken angeführten “Rätsel” gibt es etablierte wissenschaftliche Erklärungen – von den Bautechniken der Pyramiden bis zur kulturellen Bedeutung der Nazca-Linien als rituelle Pfade.
5. Methodische Mängel
Von Dänikens Arbeiten entsprechen nicht wissenschaftlichen Standards: Keine Peer-Review, keine systematische Datenerhebung, keine falsifizierbaren Hypothesen.
Die Debatte von 1977
Ein Höhepunkt der Auseinandersetzung war 1977 eine öffentliche Debatte zwischen Archäologen und von Däniken. Die wissenschaftliche Seite konnte seine Argumente systematisch widerlegen, doch das Publikumsinteresse blieb ungebrochen – ein Muster, das sich bis heute fortsetzt.
Von Dänikens Vermächtnis: Die institutionelle Prä-Astronautik
Die A.A.S. Forschungsgesellschaft
Von Däniken gründete die Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI (A.A.S.), die sich der Erforschung der Prä-Astronautik-Hypothesen widmet. Die Organisation veröffentlicht die Zeitschrift “Sagenhafte Zeiten”, organisiert Kongresse und Vorträge und vernetzt Interessierte weltweit.
Die A.A.S. schrieb in ihrem Nachruf auf von Däniken:
“Mit großer Trauer und Betroffenheit haben wir vom Tode Erich von Dänikens erfahren. […] Millionen Leserinnen und Leser seiner Bücher und die vielen Weggefährten, die mit ihm seit Jahrzehnten zusammenarbeiten durften, trauern um ihn. […] Alle an der Paläo-SETI-Forschung Interessierten haben die Nachricht mit Bestürzung aufgenommen.”
Der Mystery Park (2003-2006)
2003 eröffnete von Däniken in Interlaken den Mystery Park, einen Themenpark, der die Rätsel der Welt und seine Theorien multimedial inszenierte. Der Park umfasste:
Sechs Themenpavillons zu verschiedenen Mysterien
Multimedia-Shows über Pyramiden, Nazca-Linien, Osterinsel-Statuen
Interaktive Ausstellungen zu außerirdischen Hypothesen
Trotz anfänglicher Begeisterung musste der Park 2006 aus finanziellen Gründen schließen – das Publikumsinteresse war geringer als erwartet. Ab 2010 wurde der Park als “JungfrauPark” mit einem breiteren touristischen Konzept wiedereröffnet, wobei Teile des ursprünglichen Mystery-Parks als “Mysteries of the World” erhalten blieben. 2025 wurde der JungfrauPark verkauft und soll künftig unter dem neuen Namen Etherlaken als Zukunftscampus weitergeführt werden.
Ancient Aliens: Von Däniken im Fernsehen
In den 2000er-Jahren erlebte die Prä-Astronautik eine Renaissance durch die US-Fernsehserie “Ancient Aliens – Unerklärliche Phänomene” (ab 2009), die bis heute über 250 Folgen in 19 Staffeln produziert hat. Von Däniken war regelmäßiger Gast und Hauptprotagonist der Serie, die weltweit Millionen Zuschauer erreichte und eine neue Generation für das Thema begeisterte.
Die Serie folgt dem von Däniken’schen Muster: Archäologische Rätsel werden präsentiert, konventionelle Erklärungen als unzureichend dargestellt, und außerirdische Hypothesen als “mögliche” Alternative angeboten. Wissenschaftler kritisieren die Serie als Infotainment, das Verschwörungstheorien fördert und wissenschaftliches Denken untergräbt.
Das literarische Werk: 70 Millionen verkaufte Exemplare
Von Däniken verfasste über 40 Bücher, die in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden. Die Gesamtauflage wird auf 65 bis 80 Millionen Exemplare geschätzt – damit gehört er zu den erfolgreichsten Sachbuchautoren aller Zeiten.
Wichtige Werke:
1968: “Erinnerungen an die Zukunft” (sein Durchbruch)
1969: “Zurück zu den Sternen”
1973: “Meine Welt in Bildern”
1977: “Beweise”
1997: “Der Götterschock”
2018: “Endzeitphantasien”
Bis ins hohe Alter blieb von Däniken produktiv und pflegte einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem er seine Theorien einem digitalen Publikum präsentierte.
Kulturelle Bedeutung: Zwischen Faszination und Manipulation
Positive Aspekte
1. Popularisierung von Wissenschaftsthemen
Von Däniken weckte bei Millionen Menschen Interesse für Archäologie, Astronomie, Anthropologie und Raumfahrt – auch wenn seine Schlussfolgerungen falsch waren.
2. Kritisches Hinterfragen
Seine Aufforderung, etablierte Erklärungen zu hinterfragen, kann als Anregung zu kritischem Denken verstanden werden.
3. Kulturphänomen
Die Prä-Astronautik ist heute fester Bestandteil der Popkultur – von Science-Fiction-Filmen bis zu Verschwörungstheorien.
Problematische Aspekte
1. Pseudowissenschaftliche Denkweise
Von Däniken förderte ein Denkmuster, das anekdotische Evidenz über systematische Forschung stellt und wissenschaftliche Methodik missachtet.
2. Rassistische Untertöne
Kritiker werfen der Prä-Astronautik vor, implizit rassistisch zu sein: Sie unterstelle, dass nicht-europäische Kulturen (Ägypter, Maya, Polynesier) ihre Leistungen nicht aus eigener Kraft erbracht haben könnten.
3. Verschwörungsdenken
Von Dänikens Narrativ eines “vertuschten” Wissens und einer “Wissenschaftsverschwörung” fördert verschwörungstheoretisches Denken.
Fazit: Ein kontroverses Erbe
Erich von Däniken war zweifellos einer der einflussreichsten parawissenschaftlichen Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts. Er schuf mit der Prä-Astronautik ein Genre, das Millionen Menschen faszinierte und eine weltweite Bewegung begründete. Seine Fähigkeit, komplexe Themen unterhaltsam zu vermitteln und alte Rätsel in neuem Licht zu präsentieren, war unübertroffen.
Gleichzeitig bleibt sein Werk aus wissenschaftlicher Sicht problematisch: Seine Thesen beruhen auf selektiver Interpretation, methodischen Mängeln und der systematischen Unterschätzung menschlicher Fähigkeiten. Die akademische Archäologie und Geschichtswissenschaft hat seine Argumente wiederholt widerlegt.
Die Mehrheit derer, die sich für Hypothesen rund um Außerirdische interessieren oder sogar selbst daran arbeiten und forschen, gesteht jedoch ein: Es war Erich von Däniken, der mit seinen Büchern dieses Interesse – oder auch die Kritik daran – einst geweckt hat.
Ob man ihn als visionären Querdenker oder als gefährlichen Pseudowissenschaftler betrachtet, hängt vom Standpunkt ab. Unstrittig ist: Erich von Däniken hat eine kulturelle Bewegung geschaffen, die weit über seinen Tod hinaus wirken wird.
“Die Wahrheit ist irgendwo da draußen” – so könnte sein Lebensmotto lauten. Die Wissenschaft antwortet: Ja, aber nicht dort, wo von Däniken sie suchte.
Quellen:
Eigene Recherchen, wissenschaftliche Analysen und verschiedene aktuelle Berichte zum Tod EvDs, darunter Grenzwissenschaft Aktuell (“Prä-Astronautik-Pionier Erich von Däniken verstorben”), Deutsche Welle (“Aliens trauern um Erich von Däniken”), Tagesschau ("Buchautor Erich von Däniken ist tot") und offizieller Nachruf der AAS-Forschungsgesellschaft "Sagenhafte Zeiten".
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt.
