Feuerball über Süddeutschland

Leuchtphänomen am Abendhimmel fasziniert viele Menschen

Am 14.11. wurde am frühen Abend, ab etwa 17:45 Uhr, über Süddeutschland ein helles, grünlich leuchtendes und sich schnell bewegendes Licht samt leuchtenden Schweif am Nachthimmel beobachtet, das die Beobachter in Erstaunen versetzt hat. Beschrieben wurde die Erscheinung vielfach als sehr heller Feuerball.
Der Schwerpunkt der Sichtungen war Baden-Württemberg, das Saarland und Südhessen, aber auch aus Teilen Bayerns, Nordrhein-Westfalens und Sachsens wurden Beobachtungen gemeldet, ebenso im benachbarten Ausland. In der Folge kam es zu Anrufen verunsicherter Bürger bei der Polizei. Auch bei den einschlägigen UFO-Meldestellen gingen entsprechende Meldungen ein.
Offenbar gibt es jedoch nur relativ wenige Fotos und Videos von der Erscheinung. Ein noch am selben Abend verbreitetes Video stammt von der Feuerwehr Höchen aus dem Saarland (s. untenstehendes Standbild aus dem Video, Links am Ende des Beitrags).



Die "Fachgruppe Meteorastronomie" der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft hat bis zum jetzigen Zeitpunkt (16.11.) über 1900 Augenzeugenberichte gesammelt. Darauf basierend wurde eine mutmaßliche Flugbahn des Feuerballs von Ost nach West, über Frankfurt am Main, berechnet (s. nachfolgenden Screenshot aus deren Google Maps-Karte).
Auf deren Seite werden alle Sichtungsberichte dokumentiert, ebenso finden sich dort Videos und Fotos.



Meteor oder Weltraumschrott?

Das auffällig grüne Leuchten ist auf seine chemische Zusammensetzung zurückzuführen, die gleichzeitig auch gegen verglühenden Weltraumschrott spricht. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit wird soviel Reibungsenergie an den Luftmolekülen erzeugt, dass diese ionisiert werden und die ihn umgebende Luft zum Leuchten angeregt wird, was dann entsprechend beobachtet werden kann.

Solche auffälligen Himmelserscheinungen werden auch als Boliden bezeichnet, also größere, auffällige Meteore, die in der Atmosphäre verglühen. Der Zeitpunkt legt einen Zusammenhang mit den Leoniden nahe, einem Meteorstrom von Bruchstücken des Tempel-Tuttle-Kometen, die gerade im November regelmäßig in die Erdatmosphäre eintreten und dann gehäuft als Sternschnuppen am Himmel zu beobachten sind.
Insofern ist es nicht unwahrscheinlich, dass in den kommenden Tagen noch weitere Sternschnuppen beobachtet werden können.

Während Astronomen und Experten von der DLR und der ESA von so einem in der Atmosphäre verglühenden Meteor ausgehen, sieht der Leiter des Stuttgarter Planetariums die Ursache noch nicht eindeutig geklärt. Nach dessen Meinung sei die Geschwindigkeit aufgrund der Dauer der Beobachtungen (ungefähr 10 Sekunden) ein Hinweis auf eine eher geringere Geschwindigkeit von nur wenigen 1000 Km pro Stunde, wohingegend normale Sternschnuppen mit etwa 20 bis 30 Km pro Sekunde, also zwischen 72.000 bis 108.000 Km pro Stunde, in die Atmosphäre eintreten. Dies sei, nach Meinung des Planetariumschef, eher ein Hinweis auf auf eine ausgediente Raketenstufe oder Reste davon.

Nach seiner Aussage untersucht das europäische Raumflugkontrollzentrum in Darmstadt derzeit die Möglichkeit eines dafür in Frage kommenden Raketenstarts.

 

Video der Feuerwehr Höchen auf Twitter
Dashcam-Video auf Youtube

Weitere Quellen (Auswahl):
Heilbronner Stimme (mit Augenzeugenbeschreibungen)
Heilbronner Stimme Update vom 16.11.
Fachgruppe Meteorastronomie
Forum Meteoros
Nachlese auf dem CENAP-Blog
Focus Online
T-Online
Hessenschau


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