Die UFO-Falluntersuchung

Grundsätzliches

  1. Da es weder eine anerkannte Ausbildung noch einen gemeinsamen Konsens im Wissen um das Phänomen innerhalb der Ufo-Szene gibt, kann sich jeder als Ufo-Forscher bezeichnen, Sichtungen untersuchen und Zeugen befragen. Nicht nur von der wissenschaftlichen Welt wird dies belächelt, auch von einigen Falluntersuchern wird dies immer wieder kritisch angemerkt. Ein Konsens innerhalb der Ufo-Szene scheitert bereits im Ansatz, weil viele Ufo-Gläubige die wissenschaftlichen Standards nicht anerkennen wollen, da man solch einem Phänomen damit nicht auf die Schliche kommen könnte. Nichtsdestotrotz gehört es zur Eigenschaft eines Falluntersuchers neben der Neugier und Offenheit auch die Bereitschaft eigene Erkenntnisse immer wieder zu hinterfragen.

  2. Ufo-Forschung ist ehrenamtliche Arbeit. Sie findet nahezu ausschließlich in der Freizeit statt und setzt neben einem großen Freizeitverlust auch einen gewissen finanziellen Aufwand voraus (bspw. Telefon- und Fahrtkosten).

  3. Ein Ufo-Falluntersucher muss sich bewusst sein, dass 99% aller eingehenden Sichtungsfälle von recht unspektakulären Lichtern in der Nacht herrühren. Falluntersuchung ist die meiste Zeit über trockene Arbeit.

  4. Es ist unabdingbar, dass ein Falluntersucher nicht nur kontaktfreudig sein muss, sondern ebenso über eine gute und schnelle Auffassungsgabe verfügen muss. Manche Menschen suchen gezielt Kontakt zu anderen, die Ihnen zuhören und bei denen sie sich wertgeschätzt fühlen. Ein Falluntersucher muss daher auch bis zu einem bestimmten Grad über eine psychologische Kompetenz verfügen. In extremen Fällen muss hingegen zwingend darauf hingewiesen werden, dass sich eine Person professionelle Hilfe suchen muss. Es ist von Vorteil, wenn dem Falluntersucher hierfür bereits Anlaufstellen bekannt sind. Ein Falluntersucher kann niemals die Rolle eine professionellen Psychologen ausfüllen und sollte sich diese auch nicht anmaßen.

  5. Die Basis des Falluntersuchers ist das Wissen um all die Objekte und bekannten Phänomene, welche sich am Himmel zeigen können. Es ist daher eine absolute Voraussetzung, dass der Falluntersucher sämtliche allgemein bekannte Stimuli kennt und sich aktiv darum bemüht sein Wissen auf diesem Gebiet stetig zu erweitern.

  6. Da man als Falluntersucher interdisziplinär agiert, sind Grundkenntnisse in verschiedenen Wissenschaften insbesondere Astronomie, Wahrnehmungs- und Kommunikationspsychologie, Physik aber auch in der Durchführung von Zeugenbefragungen, ebenso eine Voraussetzung.

  7. Ziel einer Falluntersuchung muss es sein, diese mit einer rationalen Erklärung abschließen zu können. Es ist der These zu folgen, welche die meisten Schnittmengen und die wenigsten Widerstände bereithält. (Ockhams Rasiermesser. Die einfachere, unkompliziertere Erklärung wird der komplizierteren Erklärung vorgezogen)

Die Kontaktaufnahme mit einem Sichtungszeugen

Der Falluntersucher ist dazu angehalten, den Sichtungszeugen sein Erlebtes ohne Unterbrechungen oder Zwischenfragen berichten zu lassen. Fragen können danach gestellt werden.  Es ist ratsam ein Diktiergerät nebenher laufen zu lassen, damit man sich nachträglich die Aussage des Zeugen nochmals anhören kann. Bevor man dies tut ist es unbedingt notwendig den Zeugen um Erlaubnis zu fragen. Alternativ dazu können auch Notizen auf einem Schreibblock für das Nötigste weiterhelfen.

Ein weiteres Hauptkriterium ist es, egal wie sich der Zeuge verhält bzw. von was er berichtet, stets höflich zu bleiben. Der Zeuge ist zu keiner Auskunft verpflichtet. Seine Bereitschaft eine Sichtung zu melden ist freiwillig und sollte daher vom Falluntersucher mit dem notwendigen Ernst respektiert werden. Schließlich liegt es im Interesse des Falluntersuchers dem Phänomen auf die Spur zu kommen.

In der Mehrheit der Fälle kristallisiert sich für den Falluntersucher bereits ein bekannter Stimulus, der für die Sichtung verantwortlich sein könnte, heraus. Voraussetzung hierfür ist ein fundiertes Wissen um den Stimuli-Katalog. Ebenso wächst mit den Jahren der Beschäftigung mit dem Thema auch die Erfahrung. Sollte es dennoch weiterhin ungeklärte Punkte geben, ist ein Sichtungs-Fragebogen die geeignete Wahl um dem Zeugen noch einmal die Möglichkeit zu geben sein Erlebtes in Textform zu berichten. Für den Falluntersucher bietet sich die Möglichkeit einerseits vergessene Fragen über den Fragebogen beantwortet zu wissen und andererseits die Angaben des Zeugen aus dem persönlichen Gespräch mit denen aus dem Fragebogen vergleichen zu können.

Die Auswertung des Fragebogens

Sichtungs-Fragebogen bieten alle großen Vereine in Deutschland an. Zudem ist man noch immer darum bemüht zukünftig auf einen gemeinsamen Fragebogen zurückgreifen zu können, der die Auswertung innerhalb der unterschiedlichen Vereine sicherlich stark verbessern würde. Ein gelungenes Beispiel wie solch ein Fragebogen aussehen kann bietet die Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP) e.V. mit ihrem "Fragebogen zur Erfassung unidentifizierter Flugkörper und unbekannter Himmelserscheinungen".

Neben den bereits oben aufgeführten positiven Eigenschaften eines Fragebogens ist noch hinzuzufügen, dass ein ausgefüllter und zurückgesendeter Fragebogen dem Falluntersucher zeigt, dass es der Sichtungszeuge mit seiner Meldung ernst meint und er starkes Interesse an einer Bearbeitung seines Falles hat. Der Sichtungszeuge bekräftigt zudem am Ende des Fragebogen mit seiner Unterschrift die Wahrhaftigkeit seiner gemachten Angaben. Eine nicht zu unterschätzende psychologische Hürde mögliche Schwindler fern zu halten.

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Bereitschaft solch einen Fragebogen auszufüllen und zurückzusenden von Seiten der Sichtungszeugen seit Jahren rückgläufig ist und sich der Falluntersucher bewusst sein muss, dass er hier Geld für Porto und Rückporto in Zweidrittel aller Fälle in den Sand setzt.

Im Fall einer Rücksendung des Fragebogens beginnt für den Falluntersucher dessen Auswertung. Zuerst sollte der Falluntersucher die gemachten Angaben mit den Angaben aus dem persönlichen Gespräch vergleichen. Kommt es zu deutlichen Differenzen, sollte dennoch Schwindel in Betracht gezogen werden. Oftmals “schmücken” die Zeugen den Fragebogen aber auch unbewusst mit Fehlangaben, um ihren Fall aufzuwerten und dem Ermittler zu gefallen bzw. "Etwas zu bieten". Bei mehreren Sichtungszeugen sollte der Falluntersucher darauf bestehen, dass jeder Zeuge einen eigenen Fragebogen ausfüllt, bestenfalls ohne sich zuvor mit den anderen Sichtungszeugen besprochen zu haben. Nicht etwa, weil man den Sichtungszeugen einen Schwindel unterstellen will, sondern weil es in der Natur des Menschen liegt, dass man das eigene Erlebte mit den Erzählungen anderer vermischt. Je länger die Sichtung zurück liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Vermischung des Erlebten mit anderen Einflüssen (Erzählungen anderer Zeugen, Medienberichte über den Vorfall...) kommt. Diese äußeren Einflüsse müssen einerseits so gut es geht minimiert andererseits aber auch bei der Auswertung eines Fragebogens beachtet werden.

Wenn sich weiterhin alle gemachten Angaben decken, liegt es erneut am Falluntersucher sein Wissen um die bekannten Stimuli anzustrengen und die gemachten Angaben zur Charakteristik des Gesehenen mit dem Stimuli-Katalog abgleichen. In nahezu allen Fällen wird es dem Falluntersucher gelingen die Sichtung mittels seiner Kenntnisse des Stimuli-Katalogs aufzuklären.

Ergeben sich für den Falluntersucher weiterhin offene Fragen, sind weitere Schritte zu unternehmen. Hierzu gehört der Austausch mit anderen Kollegen und die Einholung ihrer Einschätzung. Zudem ist der Falluntersucher dazu angehalten, regionale Stellen (Polizei, Amt, Wetterstation, Flughafensicherung, Sternwarte...) und Medien zu kontaktieren und nach ähnlichen Meldungen aus dem gleichen Zeitraum zu befragen. Die Erfolgsaussichten hier nützliche Informationen zu erhalten sind aus der Erfahrung heraus nicht unbedingt gegeben, doch kann es sich im Einzelfall immer anders verhalten und sollte daher genutzt werden. Möglicherweise zeigt auch eine regionale Zeitung Interesse an dem Thema und ist bereit einen Meldeaufruf in der nächsten Ausgabe zu starten.

Wenn möglich, sollte sich der Falluntersucher zusammen mit dem Sichtungszeugen einen Eindruck des Erlebten direkt am Ort des Geschehens machen. Ein gemeinsamer Termin zur Besichtung des Ortes und seiner Umgebung haben schon so manches Rätsel gelöst. Wichtig wäre es den Ort zum gleichen Zeitpunkt zu besuchen wie am Tag der Sichtung. Ebenso hilfreich sind moderne Methoden wie bspw. Google Earth und StreetView, jedoch stellen sie keinen Ersatz für eine persönliche Begutachtung des Ortes dar.

Aus der Jahrzehntelangen Erfahrung heraus lässt sich aus heutiger Sicht sagen, dass ein Falluntersucher, welcher die o.g. Prinzipien anwendet, in gut 99% aller Fälle zu einer rationalen Erklärung kommen wird. Dank eines fundiertes Wissens um den Stimuli-Katlog und dem persönlichen Kontakt mit dem Sichtungszeugen gelingt es in nahezu allen Fällen eine mögliche Erklärung zu finden.

Dabei ist es wichtig zu beachten, dass es einem Falluntersucher nur selten gelingen wird den tatsächlichen Stimulus bis zu seinem Verursacher nachverfolgen zu können. Ein Beispiel: Wenn der Sichtungszeuge ein Objekt beschreibt dessen Aussehen und Flugeigenschaft jenem einer Skylaterne ähneln und es darüber hinaus keine Anomalien gibt, die auf solch einen Ballon nicht zutreffen können, dann ist der Falluntersucher dazu angehalten diese Sichtung als IFO (identifiziertes Flugobjekt) mit dem Stimulus Skylaterne zu den Akten zu legen, auch wenn er es nicht schaffen wird herauszufinden, welche Person diese Skylaterne in den Himmel aufgelassen hat.

In Fällen von bspw. Flugzeugen oder astronomischen Objekten hat der Falluntersucher mittels online abrufbaren Datenbanken die Möglichkeit herauszufinden, ob solch ein Objekt zum Sichtungszeitpunkt und -ort am Himmel zu sehen war. In Fällen von von Menschen aufgelassenen Ballonen zu Festen und sonstigen Ereignissen ist solch eine genaue Überprüfung unmöglich. Man muss hier mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten. Ganz nach dem Prinzip: Wenn etwas aussieht wie ein Ballon und fliegt wie ein Ballon, dann war es auch ein Ballon.

Der Falluntersucher sollte sich die Arbeit machen und den Sichtungszeugen von seiner Erkläung für das Gesehene berichten. Dabei ist es vernachlässigbar, ob der Sichtungszeuge diese Erklärung akzeptiert oder nicht. In den meisten Fällen sind die Menschen dankbar, wenn man Ihnen erklären kann was sie gesehen haben. In einigen Fällen aber zeigen sich Menschen auch davon enttäuscht und wollen nicht akzeptieren, dass sie bspw. auf einen einfachen Ballon "hereingefallen" sind und sie werden versuchen ihr Erlebtes zu verteidigen und möglicherweise mit einer Anomalie zu schmücken, welche der Erklärung widerstreben würde. Der Falluntersucher ist nicht dazu verpflichtet sich auf weitere Diskussionen einzulassen. Mit der Abgabe seiner Erklärung hat er dem Sichtungszeugen seine Schuldigkeit getan.

Im letzten Schritt sollte sich ein Falluntersucher darum bemühen, dass der Fall für die Nachwelt und seine Kollegen nicht in Vergessenheit gerät. Dies geschieht am Besten mit der Eintragung der Sichtung und deren Hauptmerkmale in eine Sichtungsdatenbank, die man entweder selbst pflegt oder sich an eine der bereits bestehenden anhängt und die Daten dort einpflegt. Ebenso kann es für andere von Interesse sein, wenn ein Abschlussbericht des Falles in der Fachliteratur erscheint.

Toolbox
X-Faktor UFO-Zeuge, über die Durchführung einer methodischen Zeugenbefragung.
StarGazer, ein kleines Online-Astrotool (erfordert JRE).
J-Track Realtime Satellite Tracker der NASA, wird aktuell überarbeitet. 
NASA SkyWatch, ein Online-Tool zur Bestimmung von Satellitenüberflügen (erfordert JRE).
Seite der GEP über Spurensicherung und Technik.
UFOCapture, eine professionelle Software, die jenseits des UFO-Themas auch zur Himmels und Atmosphärenbeobachtung eingesetzt wird, bspw. von Meteorjägern.

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